Nachhaltiger Konsum 2021 (Digital)

Aktualisiert: 10. Dez. 2021

Nachhaltiger Konsum

In der Osterwoche 2021, vom 06.-09. April, trafen sich gut 20 junge Menschen auf der Suche nach Orientierung bei grünen Berufsmöglichkeiten in einem digitalen Workcamp rund um Upcycling, umweltverträgliche Produktion, fairer Mode und Zero Waste: Kurz, rund um nachhaltigen Konsum. Das Treffen war zwar digital, doch alle Teilnehmenden hatten per Post eine Wunderkiste mit dem Camp-Tagebuch und allerlei wunderlichem Material bekommen. Von persönlichen Erfahrungen über die SDGs bis zu Expert:innen aus der Mode und Wertstoffbranche war alles geboten.


Die Teilnehmenden kamen insbesondere aus Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland, getrieben von der Neugier, für ihren privaten Alltag als auch für ihr Studium und Ausbildungsfeld nachhaltige Tipps und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Für viele stand die die Frage im Mittelpunkt, in welche Richtung die Ausbildungswahl überhaupt gehen könnte und für andere, bereits in Ausbildung, ging es eher darum, wie der Umstieg der eigenen Branche, ob Messebau, Mode oder Medien, in Richtung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft gelingen kann.


Das Workcamp hatte für die meisten dieser Fragen einen Raum zu bieten: Der Dienstag begann mit den persönlichen Erwartungen und einem diskussionsorientierten Workshop zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs), am Mittwoch ging es um die Modebranche und die weltweite Armut. Am Donnerstag drehte sich alles um die Auswirkungen des globalen Konsums auf den Klimawandel und Recycling. Am Freitag gipfelte das Camp im Wandercoaching.


Nachhaltige Entwicklungsziele

Thematisch startete das Workcamp mit einem Workshop über die SDGs, den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, die interaktiv über ein „Padelet“ entdeckt wurden. Hier teilten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen auf und diskutierten jeweils drei der 17 Nachhaltigkeitsziele zum Thema nachhaltigen Konsum. Die Gedanken und Ergebnisse wurden live online festgehalten und im Nachhinein den anderen Gruppen vorgestellt. Im Laufe des Workcamps kamen die Teilnehmenden und Referent*innen immer wieder auf die SDGs zu sprechen, wodurch der Kontext der SDGs und deren Relevanz in der politischen und unternehmerischen Praxis für die Teilnehmenden immer deutlicher wurde.

Karte von morgen und nachhaltiges Wirtschaften.

Doch wie werden die nachhaltigen Entwicklungsziele gemessen und wo finde ich konkrete Konsumalternativen und Best-Practice Beispiele vorbildhaften Wirtschaftens?

Dazu wurde das Konzept der Doughnut-Ökonomie von Prof. Kate Raworth vorgestellt, welches in einer Grafik die sozialen Herausforderungen und Ökologischen Grenzen darstellt, bezogen auf die Welt, auf eine Land oder auch auf ein Unternehmen. Dieses Bewertungschemata ist auch in der Karte von morgen integriert, einer interaktiven Onlineplattform für Initiativen des Wandels und für nachhaltige Unternehmen. (kartevonmorgen.org) Die Teilnehmenden hatten die Aufgabe, ihr eigenes Lebensumfeld auf der Nachhaltigkeitskarte zu erkunden, neue Einträge zu kartieren und bereits gelistete Organisationen zu bewerten sowie in ihren sozialen Netzwerken zu teilen.


Zero Waste Workshop

Am Abend, nach einer kleinen Reflexionsrunde des Tages, lüftete sich dann das Geheimnis rund um die Materialien in der Workcamp-Post: Es wurde das abfallfreie Leben erprobt und Bienenwachstücher, Seifen, Waschmittel, Deocremen, Mundwasser, Allzweckreiniger und Scheuerpulver produziert! Dafür verlagerte sich das Workcamp in die Küchen der Teilnehmenden und am Herd und Backofen wurde gemeinsam gebraut, was Natron, Soda, Zitronensäure, Essig und Kernseife hergaben.


Fair Fashion mit JAN 'N JUNE

Am zweiten Tag des Worcamps dreht sich alles um die vielen Startups im wachsenden Markt der nachhaltigen Mode. Dazu hat uns die junge Münchnerin Anna Rogun besucht, die in Hamburg bei Jan’n June im Marketing arbeitet und sich bestens mit dem schwierigen Globalen Kleidungsmarkt auskennt. Zunächst nahm sie uns mit in die Welt des Greenwashings und zeigt uns, wie mit einfachen aber legalen Begriffen, grünen Farben, natürlichen Bildern und Scheinfakten, erfolgreiche Konzerne die breite Masse hinters Licht führen und das schlechte Gewissen beim Kaufen beruhigen. Manch eine*r, die/der dachte sie/er kennt sich aus, fällt dann doch mal auf ein grünes Plakat rein mit 100% Baumwolle, ohne das daran irgendetwas nachhaltig wäre.

Thematisiert wurden daraufhin die Möglichkeiten, nachhaltige Lable zu unterstützen, Lieferketten zu durchschauen und wir lernten das Berufsfeld der Nachhaltigkeitszertifizierer:innen kennen sowie Orte, wo man nachhaltige Mode bekommt.


Salzwasser

Noch konkreter wurde der Startup-Prozess eines nachhaltigen Modelables mit Lennart, einem der Mitbegründer von Salzwasser.eu. Diese Marke hat zu ihrem nachhaltigen Unternehmen noch einen gemeinnützigen Verein für Umweltschutz gegründet sodass der ökologische Impact fester

Bestandteil des Geschäftsmodells wird. Auch ist die Transparenz einzigartig: Zu jedem Produkt werden der Impact, die Materialien, Nachverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft gemessen, sowie im Detail aufgeschlüsselt, wer von dem Kaufpreis wie viel bekommt Von einem 90€ Pulli gehen gerade einmal gut 6€ in die Löhne der Arbeitenden. Und das ist für die Branche ein echt fairer Lohn, wird doch an diesem schwächsten Glied der Lieferketten bei großen Konzernen gerne bis auf 1% runter verhandelt.

Doch in einem Punkt fehlt noch die Transparenz: Sie veröffentlichen nicht genau die Lieferanten und Manufakturen, in denen die Kleidungsstücke gefertigt werden. „Aus Schutz vor Nachmacher:innen“, die es sonst zu einfach hätten, die komplette Aufbauarbeit von Salzwasser zu kopieren, wie Lennart zugibt, auch wenn er selbst gleich darauf zustimmt, dass dies nicht unbedingt die Konkurrenz fern hält.


Agatá Home und Innovation für nachhaltiges Konsumverhalten

Aus diesen zwei unternehmerischen Beispielen konnten die Teilnehmenden bereits die zielgruppenorientierte Denkweise und den Experimentiergeist der Gründer:innen mitnehmen, den sie in der folgenden Aufgabe brauchten. Elisabeth Sinner stellte ihr Mannheimer Einzelhandel Agatá Home vor, dem sie eine neue Ausrichtung, weg von reinem Konsumdenken hin zu einem Qualitäts-Einrichtungshaus für ökologisches Bewusstsein machen möchte. In Kleingruppen erarbeiteten alle Teilnehmenden zusammen mit der Sozialunternehmerin Lösungsansätze für nachhaltiges Konsumverhalten in ihrem Startup: Zu den SDGS, Minimalismus und Lieferkettentransparenz. Die durchaus kreativen Impulse stellten die Teilnehmenden zum Abschluss dem Agata-Home Team und der ganzen Gruppe vor.


ifeu-Institut zu Klimaforschung

Am dritten und letzten Input-Tag lernten wir „zum Frühstück“ das ifeu-Insititut kennen und ihre Arbeit in der Berechnung des CO2-Fußabdrucks im Konsum. Miriam Dingeldey ist beim CO2-Rechner des Umweltbundesamtes für die Zahlen im Bereich Konsum verantwortlich und stellte dar, wie die wissenschaftliche Arbeit abläuft. Doch nicht nur die Forschung und die Grenzen der wissenschaftlichen Berechnung von menschlichem Verhalten wurde thematisiert, sondern auch die Arbeit als Angestellt an einem großen, auf Fördermittel basierendem Forschungsinstitut.


Abfallwirtschaft bei metabolon

Vom Treibhausgas ging es dann direkt auf die Mülldeponie und die Wertstoffbranche ins Entsorgungszentrum Leppe in NRW. Der erste „solide“ Beruf könnte man denken, so ist die saubere Beseitigung des Abfalls doch endlich mal ein Problemfeld, dass auch ohne Wissenschaftler und globalen Journalismus ganz offensichtlich ist.


Südzucker

Alles begann aber mit einer Internetrecherche rund um den Zucker: Wo kommt er her, was ist seine globale Bedeutung, wer profitiert davon in Deutschland und was für Folgen gibt es damit bei den Verbraucher:innen. Die überwiegend kritischen Punkte, die das Internet und Wikipedia dazu bereithielten, schienen beim Vortrag von Südzucker wie weggeblasen. Der Traditionsbetrieb müht sich sehr um Nachhaltigkeit, auch aus Kostengründen. Äcker und Verarbeitungsanlagen, sollen möglichst nah zusammen liegen, die Traktoren haben ein eigens programmiertes Navigationssystem um durch Feldwege Kilometerlange Umwege zu sparen und mit einem eigenen Siegel für ihre Betriebe versuchen sie sogar den Pestizidansatz zu reduzieren. Es sind zwar alles nur kleine Prozente die beim einzelnen LKW und beim einzelnen Bauern eingespart werden, doch auf die große Masse gerechnet, die Südzucker in ihrem Zuckergürtel in Niedersachsen, rund um Mannheim und in ganz Europa anbauen, hochgerechnet, kann Südzucker damit wohl mehr CO2 und Pestizide einsparen, als jede*r engagierte Biobauer:in.


Wandercoaching zur Berufsorientierung

Der letzte Workcamp-Tag, der Freitag, begann nur kurz am Rechner und ging sogleich in die Natur. Denn das Wandercoaching wurde gemeinsam in der Natur durchgeführt, und nur für wenige Inputs online. Die Teilnehmenden wurden von den zwei professionellen Wandercoaches Julia und Juli von movingmountains.eu/, teilweise in der Gesamtgruppe teilweise in Kleingruppen, angeleitet. Für die Coachingeinheiten in der Natur, sind die Teilnehmenden alleine rausgegangen und haben währenddessen mit anderen Teilnehmenden telefoniert und sich über ihre Berufswünsche und ihre individuellen Talente in Peer-to-Peer- Coachings auszutauschen. Trotz der digitalen Umsetzung war das Coaching für die Teilnehmenden eine gute Möglichkeit sich, unabhängig von alltäglichen Herausforderungen z.B. Erwartungen des sozialen Umfelds, mit ihrem Berufsweg auseinanderzusetzen.











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